BELLA ITALIA

Manchmal kann die Erfüllung von Klischees der Inbegriff von Glückseligkeit sein.

Ich sitze auf einer Bank. In einem Kleid. Einem Sommerkleid. Ich habe neue Schuhe an. Vor einer Stunde gekauft. Absolut umwerfend. Lächerlich günstig. Ohne Strümpfe. Der Himmel ist blau. Sonne. Ich habe nichts vor und könnte alles tun. Zeit. In meiner Hand ein Eis. Rosa Grapefruit. Sonnenbrille. Ein Mann bleibt stehen und sagt ich sehe schön aus. Lächelt, und geht weiter. Meine Bank steht auf einem Platz. Mit Blick auf den Dom. In Florenz.

Ok, wem das zuviel pseudo poetisches Gesülze ist, bitteschön, aber was soll ich sagen – dolce farniente,in echt und in Farbe. Es gibt diese Momente, da muss man es einfach genießen, wenn das Leben sein Kitschfüllhorn ausschüttet, der Himmel sich in der Abendsonne in den absurdesten rosa und apricot Tönen färbt, die Haut nach Sonne riecht, und die Eiswürfel im Aperol Spritz Glas wie Diamanten funkeln. Der Mann hinter der Theke verursacht Gänsehaut allein dadurch, dass er mit rauer Stimme erklärt, wo sich il bagno befindet, während im Hintergrund ein Streichorchester spielt. Gut, ich gebe es zu, das Streichorchester spielt nur in meinem Kopf, und besteht in Wahrheit aus genau einem verhutzelten, dreizahnigen Akkordeonisten, der nichts anderes spielen kann als Azzurro – schnell, langsam, leise, laut. Aber das ist doch völlig egal, ich bin trotzdem beseelt von der perfekten Atmosphäre … es geht einfach um’s Prinzip! Man könnte es auch das Urlaubsprinzip nennen. Oder schlicht Wahrnehmungsstörung.

Mir geht es im Urlaub tatsächlich zum Beispiel jedesmal so, dass ich mindestens einen Wein probiere, von dem ich denke, dass es der absolut beste ist, den ich je getrunken habe. Natürlich nehme ich davon mindestens eine Flasche, besser noch eine ganze Kiste, mit in heimische Gefilde. Fernab der rosaroten Urlaubswelt bekommt dieses vermeintlich exquisite Gebräu beim heimatlichen Nachschmecken allerdings bestenfalls eine drei minus.

Was Kleidung angeht, liegt die Peinlichkeitsgrenze der Urlaubskäufe noch weitaus höher. Der Cowboy – Strohhut ist doch wahnsinnig cool, der Pareo mit klimpernden Münzen und Steinchen verwandelt mich in eine echte Gipsyqueen, und die weite Hose im Windelschnitt – Haremshose, DIE unverständliche Sensation einer Modesaison – ist doch absolut lässig, oder? Nein, nein und nochmals nein! Der Wunsch sich geistig, wie auch modisch möglichst genau den aparten Urlaubslandbewohnern anzumorphen, ist verständlich, ruft daheim in Klein-Dorfhausen allerdings eher die Polizei als Marcello Mastroianni zum Date, wenn man La dolce vita spielt, und mondän im Abendkleid in den vom Schützenverein gesponsterten Springbrunnen steigt. Also Finger weg von regional allzu spezifischen Kleidungsstücken, von Seidenschals für zwei Euro dreißig, und von nonnas „handgemachten“ Stücken made in China. Auch das überteuerte Melonenduschgel entpuppt sich in der heimatlichen Großstadt in den meisten Fällen nicht als Quelle des Wohlgeruchs, sondern als olfaktorischer Supergau der Extraklasse. Pfui. Bah.

Das, was wirklich einen perfekten Urlaubsaufenthalt ausmacht, was die gesamte Atmosphäre kreiert, kann man sich leider sowieso nicht in Scheiben schneiden und einpacken lassen. Aber man kann sich wunderbare Erinnerungen schaffen, und sich vor allem inspirieren lassen, um etwas von dem süßen Leben zu Hause zu genießen.

In meinem Fall sind die Inspirationen – wer hätte es gedacht – sehr oft kulinarischer Natur. Wenn ich z.B. über fremde Märkte streune, gibt es so viel Schönes, Unbekanntes, Spannendes, dass ich am liebsten sofort alles kaufen würde, um mit haarigen Knollen, wunderschönen Artischocken, an Masern erkrankten Kartoffeln und betrunkenem Käse zu experimentieren.

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Nach so viel herzhaften Gedanken, brauche ich dann aber definitiv doch eine kleine süße und erfrischende Hirn – und Gaumenentspannung. Eine Köstlichkeit, die nicht nur generell zum Sommerurlaub dazugehört, sondern vor allem einen Teil der heiligen Dreifaltigkeit der italienischen Food – Trikolore bildet. Pasta, Pizza, und…?

 

Il gelato! Ice, ice, baby…

Was habe ich für deliziöse Sorten probiert – rosa Grapefruit, Schokokokos, Vanille und Pistazie in Perfektion und mein absoluter Liebling  – Joghurteis. Wieder zu Hause, konnte ich kaum die ersten Sonnenstrahlen abwarten, um mich an mein eigenes Joghurteis zu wagen. Was dabei rausgekommen ist, könnt ihr gerne selber probieren.

 

ZIEGENJOGHURTEIS MIT KARAMELLMANDELN UND SESAM

Zutaten für 4-6 Personen: 500g Ziegenjoghurt, 200g Mandeln, 3-4 El Sesamsaat, 150g Zucker, 200ml Sahne, frische Beeren, Eismaschine

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Die Mandeln grob hacken und ein Stück Alufolie leicht mit Öl bepinseln. 100g Zucker in einem breiten Topf karamellisieren lassen, die Mandeln zugeben – klumpt, ist aber normal! – rühren, rühren, rühren, und schön bräunen. Auf die eingeölte Alufolie geben, abkühlen lassen.

Sesamsaat in einer separaten Pfanne ohne Fett goldbraun anrösten. Den Ziegenjoghurt (erhältlich im „normalen“ oder in jedem Fall im Biosupermakt) mit 50g Zucker gründlich verrühren. Sahne schlagen, unterheben, und die Masse in die Eismaschine geben.

Wenn das Eis nahezu durchgefroren ist (ca 30 Min), die Mandeln und die Sesamsaat hinzugeben. Mit frischen Beeren garnieren und genießen.

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Einfach, schnell, und vor allem – delizioso. Und alle, die noch immer ungläubig und naserümpfend „Ziege???“ fragen, kann ich beruhigen – die schmeckt man gar nicht määääähhhhhr.

Dieser Beitrag wurde am 13. Mai 2013 um 08:33 veröffentlicht. Er wurde unter Essen, Trägheit, Wollust abgelegt und ist mit , , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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