PESTO UND CHOLERIKER

KANN MAN GLÜCK EIGENTLICH ESSEN?!

Vorgestern Abend habe ich eine von mir, irgendwann mal mit Shopping-Endorphin vernebeltem Hirn, gekaufte Jacke bei eBay für genau den Preis verkauft, für die ich sie selber erstanden habe. Im euphorisierten Arme-hoch-reißen, fege ich allerdings mein Obst Telefon vom Küchentisch, das wiederum ganz brav, wie es das vom Marmeladenbrot gelernt hat, auf seinem höchst zerbrechlichen, gläsernen Gesicht landet. Zersplittert. Volle Granate. Der Bildschirm nur noch in zerfasertes, apartes Yves Klein Blau getaucht…

Am nächsten Tag durfte ich dann im Express-Reparatur-Handyladen meinen kompletten Auktionsgewinn dem umgeschulten Sanitär- und Heizungsinstallateur in die Hände drücken. Grrrmpf! Damit es auch ja nicht langweilig wird, saue ich mir auf dem Heimweg abstrakt expressionistisch meine hellgelben Chinos mit Fahrradöl ein, will endgültig erschöpft mein Rad zu Hause abschließen, stelle dann aber fest, dass erstens mein ach so langlebiges Fahrradschloss nicht mehr schließt, und – um den Antitag zu perfektionieren –  zweitens, dass der Mann, der eher oft als nie mein Bett – und wesentlich gravierender, meinen Kühlschrank –  teilt, in meiner Abwesenheit den letzten Rest Wein vernichtet hat, ohne für Ersatz zu sorgen.

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Nun gut, andere Menschen haben wirkliche Probleme, aber manchmal lässt man nach solch banalen Unglücksmomenten einfach nur noch frustriert den Kopf hängen, presst zwischen den Zähnen einen undefinierbar cholerischen Urlaut hervor, um entnervt zu konstatieren, dass sich ja eigentlich sowieso die ganze Welt gegen einen verschworen hat. Weil, wenn man jetzt mal ehrlich ist, hat man ja IMMER Unglück. Sowas passiert IMMER NUR MIR. Und das ist alles so wahnsinnig UNGERECHT!!

Ja, ich gebe mir ab und zu hemmungslos diese dieWelt ist schlecht und böse- Dröhnung, weil es doch so viel leichter ist, stiernackig und mit aggressiv gesenkten Hörnern zu brüllen und zu maulen, als dem Grauschleier ein sonniges Lachen entgegenzuschmettern. Übersteigertes Pseudoleiden tut auch mal gut. Motzmaulbahpfuialleskacke!

Meistens habe ich das Anti – Grau – Lachen dann aber doch ganz gut drauf, weil ich merke, wie gut es mir tut, alles, und vor allem mich selbst, nicht so wichtig zu nehmen, gelassen auch mal eine (vermeintliche) Ungerechtigkeit hinzunehmen. DAS fühlt sich richtig toll an. Zugegebenermaßen auch ein bisschen erwachsen. Menschen, die so gar nicht über sich selber lachen können, aus allem ständig ein Drama machen, und sich per se schon mit hängenden Mundwinkeln durch die Welt seufzen, finde ich absolut gruselig. Ungesunde Launenverschmutzung für alle!

Wenn man sich aber nach Handyapokalypse, Öl-Hose, kaputtem Schloss und alkoholfreiem Kühlschrank trotzdem noch daran erinnert, dass ein klitzekleines Biss(ch)en Glück auch durch den Magen geht, ist alles nur noch halb so schlimm.

Pasta. Gefühlt 3 Kilo. Dazu simples Pesto. Platzen mit seligem Grinsen im Gesicht.

RADIESCHENBLÄTTER – PESTO

Für ein wirklich großes Glas Pesto

Hat man – wie ich Glückskind! – eine begnadete Gartenfee als Freundin, dann ist es natürlich leicht an die schönsten und leckersten Radieschen und -blätter der Welt zu kommen. Alle anderen gehen am besten auf den Markt oder in den Bioladen, wo es nicht nur nackte Radieschen gibt.

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Einen großen Bund Radieschenblätter waschen und grob in eine Küchenmaschine mit Schneidemesser zupfen. Dazu kommen 50g gemahlene Mandeln (ungeröstet), 50g Pinienkerne (geröstet), 50g geriebener Parmesan und 1-2 Knoblauchzehen.

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Alles nach und nach mit 75ml gutem Olivenöl klein mixen. Abschmecken mit Salz, Pfeffer und etwas geriebener Zitronenschale.

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Fertig!

Jetzt noch Nudeln kochen, abgießen, etwas Nudelwasser auffangen, Pesto nach Bedarf einrühren, mit der Pasta mischen, Mund auf, Augen zu, Glück rein.

Wenn ihr nicht direkt alles verbraucht, das Pesto im Glas glatt streichen, ein paar Millimeter hoch mit Olivenöl bedecken, und potenziell tagelang im Kühlschrank aufbewahren.

GLÜCK KANN MANCHMAL SO EINFACH SEIN!

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Dieser Beitrag wurde am 11. Juni 2013 um 22:44 veröffentlicht. Er wurde unter Essen, Zorn abgelegt und ist mit , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

5 Gedanken zu „PESTO UND CHOLERIKER

  1. Hey Frau Genießerin, auch von mir ein herzlicher Gruss, und ich wage bescheiden auf meine genießerische Seite hinzuweisen.

  2. einfach super, locker geschrieben!! Und neugierig auf das Pesto wird man auch! Klasse!!
    Uli

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