VANCOUVER ISLAND
Ich bin wieder da. Physisch zumindest. Geistig bin ich noch im Paradies, und von da aus plötzlich wieder den Asphalt zu küssen, fällt ja bekanntlich doch einigermaßen schwer.
Normalerweise sehe ich nach dem Aufwachen als erstes, ob gegenüber auf dem Balkon meines Nachbarn noch Flaschen- und Gläserleichen der nächtlichen Party den verregneten Morgen schmücken, aber die letzten vier Wochen musste ich mich täglich kneifen, ob das da draußen direkt vor meinem Fenster wirklich wahr ist.
Mein Fräulein, darf ich Ihnen zum Frühstück eine Prise frisch gepressten Pazifischen Ozean servieren?
Nicht nur der Ozean wurde mir täglich auf dem Sonnendeck des Lebens serviert. Während ich mir frische Him- und Blaubeeren zum Frühstück selber pflücken durfte, wackelte regelmäßig eine 7 köpfige Wachtelfamilie durch den Garten, Rehe verfrühstückten ungestört die umliegenden Hecken, und Kolibris sausten mir überschallschnell und mit lautem Gebrumm um die Ohren. Ich hatte vor lauter surrealem Flora- und Faunaidyll den Eindruck, dass ich irrtümlich in einem Disneyfilm gelandet bin, und habe jede Sekunde damit gerechnet, dass gleich auch noch alle anfangen zu singen und zu tanzen.
Die einzige, die vor lauter Freude getanzt und gesungen hat, war allerdings letztendlich dann doch nur ich – diese überwältigenden Natureindrücke waren einfach kaum anders zu ertragen…
Ich habe so vieles erwandert, erschwommen und erfahren – mit dem Mountainbike, dem Boot, dem Auto, und einfach im wahrsten Sinne des Wortes – ich bin schlicht erfüllt. Randvoll. Mit Erinnerungen und einem Glücksgefühl, dass noch lange, lange bleibt.
Auch kulinarisch gab es natürlich Gegensätze zu erschmecken. Fantastisches Obst und Gemüse – eben erst geerntet, farbenfroh in hyper – technicolor.
Büffel-, Rind- und Lammfleisch, Brot aus dem Nachbarort, und Käse von der Nachbarinsel. Schier umwerfend waren die überfrischen Köstlichkeiten aus dem Meer. Lachs, wild und rot, Heilbutt, Red Snapper, Jakobsmuscheln, Garnelen und Krebse. Allein nur der Gedanke an diese unglaublich köstlichen CRABCAKES…!!!
Magst du eigentlich Austern und Venusmuscheln?? Wir können sonst kurz zum Strand runter und welche holen…
Ich sage doch – Paradies! Ein kleines Stück vom Paradies konnte ich euch sogar mitbringen. Keine Sorge, Adam hatte nichts dagegen, und die Blindschleichen auf der Insel konnten mich erst recht nicht daran hindern kulinarische Inspirationen in die Großstadthölle zu schmuggeln. Und um die schöpfungsgeschichtlichen Kalauer vollends überzustrapazieren – Rippchen gibt es heute nicht.
Weißer Fisch in Nusskruste
Ich schreibe bewusst undefiniert weißer Fisch, weil ihr theoretisch JEDEN weißen Fisch verwenden könnt. Gut, Seeteufel würde ich eher ohne Kruste genießen wollen, aber alles weiße und fest – fleischige an Fisch geht.
Zutaten (für 2 Personen): 200 – 300g Fischfilet pP, ca 2 handvoll gemischte Nüsse(was gerade da ist Hasel-, Walnüsse, Pistazien, Cashews, Macadamias…), geröstet und gehackt, Zitrone, 1-2 Eier, Mehl, Semmelbrösel (ruhig grob)
Den Fisch säubern, salzen und mit etwas Zitronensaft säuern. Nüsse mit den Semmelbröseln mischen, Eier verquirlen. Den Fisch erst in etwas Mehl, dann im Ei, dann in der Nussmischung wenden. In einer Pfanne neutrales Öl zusammen mit einem guten Stich Butter erhitzen, und bei nicht zu großer Hitze auf jeder Seite goldbraun braten. Mit Salat oder knackigem Gemüse und folgendem Dressing servieren.
Roasted Garlic Dressing (für 2 Personen): 2 – 4 Knoblauchzehen, 250g griechischer
Sahnejoghurt, 1/2 TL mittelscharfer Senf, Salz, Pfeffer, Apfelessig, Zucker, Schnittlauch
Die Knoblauchzehen mit Schale im Ofen bei 230°C rösten bis das Innere weich ist (15 – 20 min). Etwas abkühlen lassen, dann das Knoblauchmus herausdrücken und mit dem Joghurt mischen. Mit den übrigen Zutaten abschmecken und etwas ziehen lassen. Passt auch zu lauwarmem Ofengemüse.
Falls ihr eher Lust auf Fleisch habt, hätte ich da auch noch eine Alternative anzubieten. Die Vertreibung aus dem Paradies muss sich schließlich lohnen.
Honig – Zitronen – Brathähnchen
Zutaten (für 2 Personen): 2 Bio -Hähnchenschenkel mit Haut, 2 Bio Zitronen, Honig, geräuchertes Paprikapulver, Olivenöl, Salz, Pfeffer
Den Ofen auf 230°C vorheizen. Eine ofenfeste Form mit Öl auspinseln, eine Biozitrone in Scheiben schneiden und darin verteilen. 1 – 2 EL Honig, 1/4 TL geräuchertes Paprikapulver und etwas Zitronensaft und Öl gut vermischen. Das Fleisch salzen und pfeffern, auf die Zitronenscheiben legen, und mit der Marinade betreichen. Die Schenkel 20 – 25 Minuten im Ofen garen. Nach 10 Minuten evtll noch einmal mit Marinade bestreichen. Die letzten 3-5 Minuten den Grill einschalten, damit die Haut schön knusprig wird. Dazu passt wieder Salat oder Gemüse mit Roasted Garlic Dressing.
Guten Appetit!
Meine Reise ins Paradies ist zwar vorbei, aber ich hoffe, dass es nicht das letzte Mal war – falls mir bis dahin nicht doch noch Hörner wachsen. Noch einmal ein tausendfacher Dank an die Engel, die das Paradies erst vollkommen gemacht haben – C. und H. ihr seid ganz großes Kino! I’m canadianized for life…
Euch allen eine genussvolle Zeit!







Wenn das Perlhuhn zubereitet wird: ich bin in der Nähe! Lieben Gruss! Christian
Wunderbare Nachrichten – statt des Knoblauchs hätte ich persönlich ja lieber das Rezept dieser unglaublich köstlichen CRABCAKES…
Das Perlhuhn aus München
Das ist sozusagen noch unter Verschluss, aber wer weiß, was da noch kommt ;-)
Herrliche Entführung ins Paradies!Da wird man neidisch…. und neugierig zugleich! Toll!Weiter so! Uli