AL ANDALUS UNO

Ich bin schon wieder Eindrucksüberladen.

Nach meinem kaum verdauten Kanada Aufenthalt, drei Waschmaschinen und Sonnencremehamsterkauf, ging es nahtlos über in das nächste Abenteuer. Wieder Koffer packen – diesmal nur 20 kg – also de facto 17kg, 3 kg Rückreise Eventualitäten müssen schon einkalkuliert werden.

Spanien! Genauer gesagt – Andalusien. Rundreise. Geführt. Ausrufezeichen!

Oh ja, ich hatte definitv Vorurteile. Geführte Reisen sind spießig, das Durchschnittsalter liegt im Bereich scheintot, alle sind wahnsinnig praktisch gekleidet, weiße Socken in Trekkingsandalen sind Pflicht, und irgendein Klugscheißer weiß sowieso immer alles am besten. Oh Gott, wahrscheinlich sind da nur Lehrer!!

Immer schön, wenn die hochmütigen Erwartungen dann auch zumindest auf den ersten Blick erfüllt werden. Insgesamt sind wir 14 Teilnehmer im Alter von 28 bis 64, mit dabei ein ausgewaschenes Hawaiihemd, zweimal Socken in Sandalen, dreimal Mal praktische Frauenkurzhaarschnitte, einmal sehr bunte Strähnchen, zweimal Raucherhusten, und drei lustige Dialekte.

Trotz nahezu aller sich erfüllenden Klischees, sind wir ein wirklich lustiger, bunter Haufen, der sich jeden Tag willig und überdurchschnittlich interessiert, von der hervorragenden Reiseführerin zur Kultur – Schlachtbank führen lässt. Mich definitiv eingeschlossen – mäh!

Die erste Etappe auf der Reise heißt Cádiz, ist die älteste Stadt Europas, und gehörte zu Phönizien, dem Purpur – Land. Dieser Name hat u.a. mit dem damals verübten Handwerk, dem Einfärben von Stoffen, in diesem speziellen Fall in königlichem Purpurrot, zu tun. Dieser besondere Farbton wird von dem Sekret der im Mittelmeer lebenden Purpurschnecken gewonnen. Für ein (!) Gramm Farbe benötigt man 20.000 Schnecken – unglaublich, oder? Kein Wunder, dass sich so etwas nur Könige leisten konnten.

Càdiz verfügt aber nicht nur über eine sehr interessante Historie, sondern neben einer sehr schönen Strandpromenade, auch über eine malerische Innenstadt, in der sich ein absolut beeindruckenden Indoor – Fischmarkt befindet, auf dem sich natürlich auch besagte Schnecken (o. links), sowie allerlei anderes, frisch gefangenes Meeresgetier finden lässt.

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Diese schlüpfrigen kleinen Scheißerchen (Zitatkenner, Finger hoch!), musste ich natürlich direkt probieren, war aber ehrlich gesagt wenig davon begeistert. Knorpelig und nicht besonders geschmacksintensiv – no me gustó!

Der nächste Geschmacksnervenkitzel folgt auf dem Fuße – vor allem auf nahezu nüchternen Magen! -, und zwar in Form einer Sherry  – Verkostung bei der Firma Williams & Humbert, in der für dieses Getränk berühmten Stadt JEREZ. Allerdings konnten sich weder Raucherhusten noch Hawaiihemd für die unterschiedlichen Sorten begeistern, nur bunte Strähnchen hat gleich drei Flaschen gebunkert – „…für die Gesundheit!“ Ach so. Ich für meinen Teil, muss mir allerdings auch eingestehen, dass ich diese Art von Alkoholika lieber verkocht goutiere, als pur versaufe. Aber, wer es mag – salud!

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Nach dieser Alkoholisierung auf quasi nüchternen Magen, brauche ich jetzt aber erst einmal einen herzhaften Snack. In diesem Fall etwas, was bei den Einheimischen als Frühstück sehr beliebt ist, dabei nicht nur sehr lecker, sondern so einfach ist, dass es schon nicht mehr unter die Kategorie Rezept fällt, sondern eher unter Anleitung zum Brot schmieren.

Tomatenbrot

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Das funktioniert auch ohne Zubereitungsanweisung, oder?!

Naja, hier zur Sicherheit:

Zutaten: Weißbrot, reife Tomaten ODER fruchtige Dosentomaten, gutes Olivenöl, Jamón Ibérico (natürlich geht auch Serrano-, Parma- oder schnöder Kochschinken), Meersalz

Zubereitung: Frische Tomaten kreuzweise einritzen, und mit kochendem Wasser überbrühen. Enthäuten und pürieren. Dosentomaten logischerweise nur pürieren. Brot in dicke Scheiben schneiden, knusprig rösten, danach mit einer Gabel einpieksen und mit Olivenöl beträufeln. Mit Tomatenpüree bestreichen, mit Salz bestreuen, und/oder mit Schinken belegen.

Schmeckt nach Sonne!

Was das Thema gutes Olivenöl angeht, habe ich übrigens auch einiges in ALFARNATE beim Besuch einer Olivenölmühle dazugelernt, was ich euch natürlich nicht vorenthalten will.

Zum einen hat sich der sich vehement haltende Mythos, dass man mit Olivenöl nicht frittieren sollte, als völliger Blödsinn herausgestellt. Große Verblüffung in der gesamten Gruppe! Man soll lediglich das Öl danach nicht noch einmal verwenden, was aber für JEDES andere Öl auch gilt. Am besten kauft man Olivenöl, das am selben Ort produziert UND abgefüllt wird. Theoretisch kann sonst jeder das schon produzierte Öl kaufen, irgendwo abfüllen, und es als sein eigenes deklarieren – also abgefüllt in Italien kann u.U. heißen, dass das Öl eigentlich aus Spanien kommt. Ob das Öl noch „frisch“, vor allem aber reich an den gesunden Fetten Omega 3 und 6 ist, erkennt man, wenn man die Flasche für ein, zwei Stunden in den Kühlschrank stellt. Wenn das Öl danach etwas ausflockt, trüb wird, ist alles in bester Ordnung. Wenn nichts passiert, kann es natürlich noch verwenden, es ist ja nicht „schlecht“, aber alle guten Inhaltsstoffe fehlen.

Das finale Ergebnis dieser Neuigkeiten – ein Kilo weniger Platz im Koffer!

So, wie es sich gehört, wird nach dem Essen jetzt erst einmal eine anständige Siesta gehalten, bevor es auf zur nächsten Reiseetappe geht. Kommt ihr mit?

Hasta pronto!

Dieser Beitrag wurde am 11. September 2013 um 11:38 veröffentlicht. Er wurde unter Butterbrot, Essen, Hochmut, Likör, Trinken abgelegt und ist mit , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

3 Gedanken zu „AL ANDALUS UNO

  1. christine marzen sagte am :

    Buenos días Mausezahn,
    was für eine schöne Reise. Granada ist great! Überhaupt Andalusien – gibt es noch die großen Reklame-Osborne-Stiere am Straßenrand?
    ähm… das Rezept für die köstlichen CRABCAKES…???
    ¡Adiós, que te vaya bien!

    Das Perlhuhn

  2. Hola,

    ich habe soeben mein Auslandsaufenthalt in Granada, Andalusien beendet… jetzt sitze ich wieder bei viel Regen im Ruhrgebiet und kann es kaum fassen, mein geliebtes Spanien verlassen zu haben!

    Ich würde sofort wieder hin, mein Leben hier in Deutschland total aufgeben..um den Rest meines Lebens im andalusischen Paradies wohnen zu können…

    hier ein paar wunderbare Erinnerungen meinerseits aus Cadiz
    http://lasagnolove.blogspot.de/2013/09/andalusia-roadtrip-cadiz.html#gpluscomments

    Solltest du die Chance haben es dir anzusehen! Mach es… Cadiz lohnt sich! Auch wenn meine große Liebe Granada bleibt!

    Liebe Grüße aus dem Pott!
    Birdy von der fat-cat-connection
    http://lasagnolove.blogspot.de/

    • Hi Birdy, danke für deinen Link, das sieht ja wirklich auch sehr warm, sonnig und schön aus – richtig zum wohlfühlen!! Dieser Herbsteinbruch war jetzt aber auch wirklich zu krass – in Köln ist es ja leider nicht anders als im Pott… bah! Aber vielleicht kann man sich ein bisschen an den schönen Erinnerungen wärmen :) Demnächst gibt es hier noch mehr zum Thema Andalusien, ich freue mich sehr, wenn du vorbeischaust! Liebe Grüße y hasta pronto!

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