AL ANDALUS DOS

Mittlerweile befinden wir uns in SEVILLA. Nach einer unglaublich interessanten Führung durch den fantastischen, sehr beeindruckenden Alcázar, den Königlichen Palast, sowie durch seine Gartenanlage, geht es, nur einen Katzensprung entfernt, in die drittgrößte Kathedrale der Welt. Hier befindet sich, direkt am Eingang, die Grabstätte von Christopher Columbus. Naja, konkret liegen nur ein paar seiner ollen Knochen in dem überdimensionalen Sarkopharg, denn die Stadt Santo Domingo beansprucht ebenfalls die letzte Ruhestätte Columbus‘ für sich. Welcher Teil der Entdeckerknochen allerdings noch am ehesten für einen kräftigen Fond reichen würde, wird jedoch leider nicht geklärt.

Das eigentlich Highlight für mich, ist allerdings weder Grabstätte, noch Kirche an sich, sondern der Blick vom dazugehörigen Glockenturm – einem Wahrzeichen Sevillas – La Giralda. Maravilloso!

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Sandalensocke und Raucherhusten messen sich unterdessen mit ihrem schier unerschöpflichen Spanischwortschatz. „Grande grazie, amigo!“ wird dabei nur knapp von einem extra stimmhaft gehusteten „hasta la vista, baby“ geschlagen, welches unserem Stadtführer einen Ausdruck ins Gesicht zaubert, als hätte er gerade eben in ein Stück saftige Stierscheiße gebissen.

CÓRDOBA schließt sich als nächstes Highlight nahtlos an Sevilla an – kulturell sowieso, aber auch kulinarisch gibt es wieder einmal Neuland zu entdecken. Regionale Spezialitäten gibt es hier wahrlich genug, ich kann mich einfach nicht entscheiden… letztendlich passiert das, was in so einem Fall immer passiert – ich probiere einfach alles.

P1040232Erst Salmorejo (l.), eine kalte Suppe, geschmacklich einer Gazpacho sehr ähnlich, nur etwas dicker, weil zusätzlich Weißbrot mit püriert wird. Garniert wird mit Speck und gekochtem Ei. Schmeckt mir sehr gut, fruchtig, erfrischend.

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Als nächstes wage ich mich an Flamenquín Cordobes  (r.), dünnes Schweinefleisch mit Schinken umwickelt, paniert und frittiert. Allein optisch mehr obszön als ansprechend, aber vor allem leider absolut unlecker. Das Fleisch vorgekocht, definitiv nicht mehr ganz frisch, die Panade einfach nur geschmacksneutral pampig. Dazu blasse Pommes und ein Nicht – Salat… Ganz ehrlich – es hätte sicher leckerer sein können, da habe ich wahrscheinlich einfach den falschen Laden erwischt.

Mit einem Highlight durfte ich dann aber an anderer Stelle doch noch meinen Gaumen verwöhnen – Rabo de Toro, Ochsenschwanz, geschmort. Unfotogen, aber dafür zart, saftig, fast schon zu herzhaft für 37°C im Schatten, aber einfach köstlich.

Nachmachen!

Da hier zu Hause, fernab der südlichen Sonne, allerdings weniger als die Hälfte der in Andalusien herrschenden Grad Celsius Zahlen das Thermometer verunstalten, habe ich den spanischen Ochsenschwanz zu einem deutschen Sonntagsbraten verdonnert. Was dabei herausgekommen ist, seht ihr hier.

GESCHMORTER OCHSENSCHWANZ

P1040559Zutaten für 4 Personen: 

Ochsenschwanz, ca. 1,3kg, (beim Metzger vorbestellen und in ca 4cm dicke Scheiben teilen lassen), zwei Stangen Lauch, ein gutes Stück Sellerie, 4 – 5 Möhren, 2 Lorbeerblätter, Tomatenmark, kräftiger Rotwein, roter Portwein, 500ml Rinder- oder Kalbsfond, Olivenöl, 1 EL Apfelessig, Salz, Pfeffer, Zucker

Den Ochsenschwanz waschen, abtupfen, salzen, pfeffern, und den Ofen auf 180°C vorheizen. Sellerie, Möhren und Lauch putzen, in Würfel bzw. Scheiben schneiden. In einem großen Bräter etwas Öl erhitzen, das Fleisch rundherum kräftig anbraten, und wieder aus dem Topf nehmen.

Erneut Öl in den Bräter geben, Tomatenmark und das Gemüse hinzugeben, anbraten, und mit 250ml Rotwein und 100ml Portwein ablöschen. Etwas einköcheln lassen, mit dem Fond aufgießen, Lorbeerblätter zugeben und das Fleisch in den Topf zurücklegen.

Alles zugedeckt für ca. 3 Stunden im Ofen auf der zweiten Schiene von unten bei 180°C schmoren.

Den Bräter aus dem Ofen nehmen, das Fleisch in Alufolie wickeln. Zwei Tassen Bratensud mit Gemüse dem Bräter entnehmen, pürieren, und wieder hinzufügen. Mit Salz, Pfeffer, etw. Zucker und einem EL Apfelessig abschmecken.

Dazu habe ich Ingwer – Butter – Möhren gemacht.

Zutaten für 4 Personen: 750g Möhren, ein ca 4cm großes Stück Ingwer, 1 EL Butter, 1 gestrichener TL Zucker

Die Möhren schälen, halbieren, bei sehr großen Exemplaren vierteln. Den Ingwer sehr fein würfeln. Die Butter in einem Topf zerlassen, Zucker und Ingwer zugeben, Möhren hinzufügen. Mit ca 50 ml Wasser ablöschen, den Herd runterschalten, und die Möhren bei sanfter Hitze ungefähr 20 Minuten köcheln lassen. Zwischendurch eventuell etwas Wasser nachgießen und prüfen, ob das Gemüse schon gar ist. Die Möhren sollten noch Biss haben.

Der Ochsenschwanz lässt sich sehr gut einen Tag vorher zubereiten. Nach dem schmoren das Fleisch einfach über Nacht im Sud lassen, und beides zusammen am nächsten Tag langsam auf dem Herd erhitzen.

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Natürlich könnt ihr das Fleisch nach dem garen auch direkt vom Knochen lösen, und z.B. mit breiten Bandnudeln als Ragout servieren.

Noch ist die Reise nicht zu Ende, aber Stärkung muss sein –

buen provecho!

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Dieser Beitrag wurde am 21. September 2013 um 19:53 veröffentlicht. Er wurde unter Essen, Essen bei Freunden, Schmoren abgelegt und ist mit , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

Ein Gedanke zu „AL ANDALUS DOS

  1. christine marzen sagte am :

    Meine kleine Andalusische Schnecke,

    Ochsenschwanz ist was Herrliches! Daraus hat die Oma Suppe gemacht, mit einem Schuss Madeira. Und wenn die Suppe über Nacht kaltstand, dann war sie am nächsten Tag wie Glibber. Bei mir ist ein CARE-Paket angekommen. Ich hab mich sosososo gefreut. Habe ich etwas übersehen, oder wo ist das Rezept für die CRABCAKES…???!!!

    Ich melde mich nochmal am Telefon.

    Das Perlhuhn aus München

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