REQUIEM

Ich verspüre Sehnsucht. So unendliche Sehnsucht!

Ich sehne mich nach ihrem Anblick, ihrem würzig frischen Duft, ihrer bloßen Anwesenheit. Sie war einfach so perfekt. In jeder Hinsicht, jeder Form. So prall, so schön, so appetitlich.

Jedesmal wenn ich sie sah, wurde Beherrschung für mich zu einem nie gehörten Fremdwort. Am liebsten wollte ich sie immer sofort. Sie schmecken, kosten, vernaschen. Wollüstig, gierig über sie herfallen, sie gänzlich verschlingen – ohne Haut, nur ein einziges Mal mit Haar.

Weg damit, mit dieser aufreizend grellroten Verkleidung, schier platzend vor prallstem Fleisch. Zerrissen habe ich sie ihr, dass sie in Fetzen von ihrem Leib hing, sie auf meinen Küchentisch geworfen, ungeduldig und voller Vorfreude.

Da lag sie. Nackt. Nur sie und ich.

Wie eine Verhungernde habe ich mich auf sie gestürzt, sie gekostet, sie vernascht, meine Zähne in sie versenkt, sie gebissen, gefressen und restlos vernichtet…

Aber manchmal, wenn mein Verlangen wieder ins Unermessliche stieg, ich mir nichts sehnlichster als ein Stück Glück von ihr wünschte, ließ sie mich einfach im Stich. Sie war einfach weg. Unauffindbar, unerreichbar.

Geschlossen stand an ihrer Haustür. Betriebsferien.

Das war fürchterlich. Ich wusste überhaupt nicht wohin mit mir, dachte ernsthaft über kalten Entzug nach, aber abgesehen davon, dass cold turkey sowieso nicht mein Geschmack ist, bin ich einfach zu schwach für so etwas. Ich habe doch auch Bedürfnisse. Ich verspüre diesen Drang, diese schmerzhafte Leere in meiner Magengegend, ich kann das nicht, ich will so sehr, ich MUSS…

Letztendlich habe ich mich mit hässlicher Billigware in eingeschweißtem Plastik ersatzbefriedigt – zwangsweise, ohne echtes Verlangen, ohne Genuss. Mechanisches Treiben, fad und blass – geschmackloser ging es kaum.

Ich habe mich so unendlich geschämt.

Für mich gab es doch einfach nur sie. Die einzig Wahre, Spitzenware, die EINE oder keine.

Aber jetzt ist es aus. Sie hat mich verlassen. Von einem Tag auf den anderen. Völlig unerwartet und ohne Vorwarnung. Einfach so. Ihre Wohnung ist komplett geräumt, nichts erinnert mehr an sie und ihre geschmackvollen Mitbewohner – es ist, als hätte sie nie existiert.

Ich werde sie nie wieder sehen – Geschäftsaufgabe steht in hässlichen Großbuchstaben an ihrer Tür.

Wir kannten uns Jahrzehnte, ich stehe noch immer unter Schock. Es wird sicher noch lange dauern, bis ich diesen Verlust runtergeschluckt habe, und jemanden finde, der ähnlich guten Geschmack auf mein Butterbrot bringt.

Was für ein Wurst!!!

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Liebe Metzgerei Reudelsterz, ihr wart der absolut beste Wurstladen auf der Welt – ich war von der Sekunde an süchtig, als ihr mir meine erste aufgerollte Fleischwurst über die Theke gereicht habt.

Zwar würde ich nicht so weit gehen und sagen Die Wurst ist mein Lebenssinn, aber trotzdem –

danke für die Fleischwurst meines Lebens!

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Dieser Beitrag wurde am 28. Oktober 2013 um 17:46 veröffentlicht. Er wurde unter Völlerei, Wollust, Zorn abgelegt und ist mit , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

3 Gedanken zu „REQUIEM

  1. Hammer! Was für eine Genußbeschreibung! Da läuft einem das Wasser im Mund zusammen….!

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