Ja, es ist kalt. Und dunkel. Und regnerisch.
Es ist November und alle wundern sich, dass das Licht jetzt immer schon um 17h ausgemacht wird. Jedes Jahr das gleiche, ist ja nicht so, dass das überraschend käme, oder?
Ich würde doch auch lieber bei angenehmen 20 Grad in der Sonne frühstücken, aber das ist im November zumindest in unseren Breitengraden generell eher ungewöhnlich. Also, was tun gegen die miese Laune, die Lustlosigkeit und Meckerei, den ganzen Winterwetterfrust? Ich versuche – VERSUCHE! – die positiven Aspekte dieser Jahreszeit zu sehen, und trotze mittels ausgeklügelter antithetischer Gegenüberstellung allen Widrigkeiten.
Ist es draußen nass, freue ich mich auf trockene Klamotten in Michelinmännchen Optik. Kalt? Mein Heizung schafft locker Bio – Sauna Temperatur. Einfach nur fies ungemütlich? Dann mache ich es mir drinnen – tataaa! – gemütlich.
Gemütlich – eines meiner absoluten Lieblingsworte, das in kaum einer anderen Sprache ein wirkliches Äquivalent hat. Ein Winterwort.
Gemütlich macht man es sich im Sommer doch irgendwie nicht wirklich. Klar, die Laune steigt sprunghaft mit jedem Sonnenstrahl, man fühlt sich intensiv durch laue Nächte, man cruist, ist relaxt, gechillt – Hauptsache Anglizismus -, aber macht man es sich gemütlich?? Eher nicht. Für mich gebiert dieses Wort einfach sofort Assoziationen von Feuerschein, Bärenfellen, dampfenden Getränken und Schnee.
Ok, ich gebe ja zu, dass das eine in den seltensten Fällen realistische, vielmehr wahnwitzig überromantisierte Vorstellung des Winters in einer Großstadt ist.
Feuerschein – Stichflamme in der Küche, weil beim angeberischen Pfanne schwenken Öl in die Flammen des Gasherds tropft. Bärenfell – der verfilzte Bettvorleger aus dem Schwedenmöbellager kann bestenfalls noch als Fußabtreter für durchmatschte Winterstiefel dienen. Dampfende Getränke formely known as Erkältungstee – die siebenunddreißigste Tasse. Schnee. Ach ja, Schnee. Das ist doch dieses weiße Pulverzeug, das vom Himmel fällt, sich auf dem asphaltierten Boden sekundenschnell in rutschig graue Matsche transformiert, die urbanen Autofahrer paralysiert und durch sämtliche Thermostiefel dringt, was zwingend zu Tasse achtunddreißig führt.
Ich weiß das. Aber ich ignoriere das. Ich will Winterwunderlandgemütlichkeit!
Zwei Strickjacken, Socken, so dick wie Dämmwolle, Kissen und Decke – ab damit auf den Lieblingssessel, Kerzen an und Buch in die Hand. Statt Tee gibt es einen sicher annähernd genauso, ähm, gesunden Glühwein: 2/3 Rotwein und 1/3 roten Portwein mit Sternanis, Zimtstange, Nelke(n), sowie einem guten Stück Bio – Orangenschale erhitzen, nicht kochen!, ziehen lassen und nach Belieben mit Zucker oder Honig süßen.
Fehlt jetzt nur noch was für den winterlich unterbelichteten Serotoninspiegel.
Die linke Hand ist damit beschäftigt das Buch festzuhalten, während die rechte nur sporadisch umblättert und die Glühweintasse an die Lippen führt. Bleibt also genügend Kapazität, um damit gelegentlich auch noch in die Plätzchendose zu greifen.
Es gibt einen Plätzchen – Klassiker, der für mich wirklich Instantgemütlichkeit bedeutet, aber auch zusätzlich immer den Beginn der Weihnachtszeit markiert – Vanillekipferl.
Das Rezept gibt es sicherlich schon eine Milliarde mal, aber für mich kommt einfach nur ein einziges in Frage – das von meiner Mama. Der Geruch von Tannenzweigen im Hausflur, vermischt mit dem Duft des ersten Blechs Vanillekipferl, dazu Teelichter auf der Fensterbank und Mama in ihrer Schürze – dieser Geruch, dieses Gefühl – Gemütlichkeit in Reinform.
MAMAS KIPFERL
Zutaten für zwei Bleche:250g Mehl, 200g Butter, 125g gemahlene Mandeln, 1 Messerspitze Backpulver, 130g Puderzucker, 2 Vanilleschoten, 3 Eigelbe, 1 Prise Salz, 1 Päckchen Bourbonvanillezucker, 3 – 4 EL Puderzucker
Mehl und Backpulver mischen, auf ein Brett geben und eine Vertiefung in die Mitte drücken. Zucker, ausgekratztes Vanillemark, Eigelbe und die Prise Salz hineingeben, kurz etwas mit dem Mehl vermischen. Dann die kalte Butter in Stückchen, sowie die gemahlenen Mandeln hinzugeben und alles rasch zu einem glatten Teig verkneten.
!! Das funktioniert natürlich auch, wenn man alles nacheinander in die Küchenmaschine gibt. !!
Falls der Teig kleben sollte, eine Zeit lang kalt stellen. Den Ofen auf 180°C vorheizen.
Aus dem Teig daumendicke Rollen formen, 2-3cm große Stücke abschneiden und zu kleinen Hörnchen formen.
Diese ca 10 – 13 Minuten backen, etwas abkühlen lassen – Vorsicht, solange sie heiß sind, sind die Plätzchen sehr fragil! -, dann in Puder – und Vanillezucker wälzen.
Die anderen Serotonin Booster sind mehr Kekse als ein Diminutiv aus Teig. Ich weiß noch nicht, ob sie wirklich das Zeug zum Klassiker haben, ich habe einfach mal ein bisschen rumprobiert – vielleicht sagt ihr mir ja eure Meinung?!
MEINE KEKSE
Zutaten für ca 20 Stück: 80g Butter, 100g Zucker, 50g Mandelmus (z.B. dieses), 1 Ei (L), eine Vanilleschote, 125g Mehl, 1/2 TL Backpulver, 70g gehackte Schokolade (Zartbitter oder Vollmilch – eure Wahl), 50g Mandelsplitter und 50 g Kürbiskerne, Fleur de Sel
Den Ofen auf 190°C vorheizen.
Butter, Zucker und Mandelmus cremig rühren, Ei und das Mark der Vanilleschote zugeben. Mehl mit Backpulver und zwei guten Messerspitzen Fleur de Sel mischen und kurz unter die Buttermasse rühren. Zum Schluss die Schokolade, Mandeln und Kürbiskerne unterheben.
Zwei Backbleche mit Backpapier auslegen und Esslöffelweise jeweils 10 Teighäufchen darauf geben. Abstand halten, sonst wird es ein einziger XL – Keks.
Kekse nacheinander jeweils 10 – 12 Minuten backen.
VARIANTEN: Bei diesen Keksen kann man wirklich wild experimentieren. Bei der Schokolade – Zartbitter, Vollmilch, weiße Schokolade, davon zwischen 70g und 100g pro Rezept, wie auch bei den Nüssen – Pinienkerne, Walnüsse, Macadamias, Cashews, Pistazien. Falls ihr schon gesalzene Nüsse nehmt, lasst das Fleur de Sel weg. Es gehen aber auch z.B. 50g getrocknete Früchte (Cranberrys, Sauerkirschen o.ä.) und 50g Nüsse, dann aber das Salz ganz weg lassen.
Probiert doch auch einfach ein bisschen aus und erzählt mir von euren Varianten!
Ich wünsche euch jedenfalls die nötige Ignoranz, um Novemberdunkelheit, -kälte und -nässe als irrelevante Nebensächlichkeiten abzutun. Seht es einfach positiv – man hat immer ein Gesprächsthema…
Macht es euch gemütlich!!




Also letztes Jahr natürlich. :) Ich gelobe Besserung für dieses!
Waaah. Mir fällt jetzt erst auf, dass wir dieses Jahr gar keine Plätzchen gebacken haben! Wann machen wir Macarons???
jaaa, mein Schnuck – Snickerdoodles!!! Jetzt hat es doch noch nicht geschneit, der wird nun für Sonntag / Montag erwartet. Schaun mer mal. Aber glüh glüh machen wir trotzdem. Am Sa./So. gibt es auf Gut Rieden einen „Winterzauber“. Da wird wieder Schnickschnack verkauft, den keiner braucht. Wir Essen & Trinken nur. Dein Schneehuhn aus München.
Gemüüüüüütlich!!!!!!!!
Schön wieder von Dir zu hören – ich habe Dich schon vermisst.
Für Mitte der Woche ist der erste Schnee bei uns angekündigt. Dann werden wir Deiner Empfehlung folgen und Deine wunderbaren Rezepte ausprobieren. Ich vermisse die Anleitung für die „Snikker-Doddles“ – die sind auch eine Klasse für sich.
Das Perlhuhn aus München.
Jaaaaaa! Da freue ich mich auch, dass DU wieder da bist, Lieblingshühnchen, aber hier ist einfach gerade viel los ;) Snickerdoodles habe ich auch schon gesucht – die englische Variante ist nicht die, die Du meinst, aber wenn ich das „richtige“ Rezept gefunden habe, schicke ich es dir per Mail, ok?