Bescheidenheit und Margarine

 

Meine lieben Gaumenschmauser,

dürfte ich mal eben um eure geschätzte Instant – Ehrfurcht bitten, es wird geheimnisvoll!!

Kerzen an, Zimt- werden zu Räucherstangen, die Kasserolle zur Klangschale, um den Ofen werden heilige Mehlogramme gestreut, ich beschmiere meinen Wanst rituell mit einem angemessenen Klotz Butter, und dann kann es endlich losgehen…

Aus dem uterösen Ofenlicht wird endlich ein lange gehütetes Geheimnis ins liquid christal eures Bildschirms geboren. Dabei geht es ausnahmsweise einmal nicht um fleischliches, sondern um saisonal – sensationelles Backwerk.

 Es geht allerdings nicht um irgendein schnödes Teigwerk, sondern um mundwässerndes, knuspriges, saftiges, teuflisch gutes, geschmacksuniversumsprengendes Gebackenes – um das goldene Vlies, den heiligen Gral, ach was, das Einhorn aller Pflaumenkuchen.

Moment, kurzes Einschalten der Neon – Deckenlampe: an dieser Stelle muss nämlich dringend klargestellt werden, dass ich mit „Pflaumen“ eigentlich „Zwetschgen“ meine. Also die länglichen, nicht die runden Früchte. Das seht ihr ja auch auf dem Foto, aber ich wollte es noch einmal gesagt haben, nicht, dass nachher jemand weint! Für mich sind Zwetschgen trotzdem Pflaumen, ist wohl irgendeine Fehlverknüpfung im Hirn aus meiner Kindheit schuld, aber soweit bin ich noch nicht in meiner Küchen – Psychoanalyse, dass das gelöst wäre…

So, Lampe wieder aus, Märchen an.

Von Generation zu Generation wird also dieses eine Rezept weitergegeben. Ausschließlich mündlich tradiert natürlich, damit die Formel der Pflaumenkuchen – Weltherrschaft nicht in die falschen zuckerfreien Halbfettmargarinen – Hände fällt. Mit solchen Gefahren ist absolut nicht zu spaßen, bei diesem sich doch äußerst aggressiv verbreitenden kein Zucker, kein Fett, kein Weizenmehl – Virus.

Aus denen sich daraus zwingend ergebenden Präventionsgründen, müssen die Rezeptempfänger seit dem Jahrtausendwechsel folgenden Eid schwören:

Und sei es auch, an einem Tag, 

der Herbst ist da, die Taschen leer,

kein Grämmchen mehr im Butterfass,

da wird das Herze schwer.

Doch wehre dich des Teufels Sinnen,

und dringt er noch so ein,

gebacken wird mit Butter nur,

die Margarine, die lass sein.

Nach jahrelangem probieren, studieren und noch mehr probieren, sowie dem feierlich geleisteten Eid, folgt schlussendlich der Initiationsritus  – Drachentötung mittels Nudelholz.

Hat man auch diese letzte Hürde genommen, winkt den Überlebenden – außer der sich anschließenden Verleihung des goldenen Streusels am Band – auch die Lizenz zum eigenständigen backen des heiligen Kuchens.

Variation ist erlaubt – Geschmackspersonalisierung wird das unter eingeweihten Streuselern genannt. Und was soll ich sagen, ich kann mich einer Prise, vielmehr einer ganzen Mehlschütte voll Eigenlob einfach nicht erwehren. Meine Geschmackspersonalisierung ist gut. Sehr gelungen sogar. Hervorragend. Fantastisch. Fast unmöglich gut.

Das Zweihorn!

Es gibt Situationen, da gewinnt man, wenn man bescheiden die Augen niederschlägt, abwehrend die Hände hebt und etwas sagt, wie „ach, das war doch gar nichts…“ Es gibt aber auch diese Momente, da ist Bescheidenheit wie Butter ohne Fett – absolut sinnlos.

Also reiße ich mir hiermit die graue Bescheidenheitskutte vom Leib, lege das gold glitzernde Ego – Ornat samt Orden an, halte einen neon blinkenden Pfeil über meinen Kopf, werfe mich gockelnd in die Brust und sirene lautstark in die Welt, was Sache ist.

Das hier ist nämlich einfach mal der beste Pflaumenkuchen der Welt. Punkt.

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DER  BESTE PFLAUMENKUCHEN DER WELT

Zutaten Teig (Springform ∅ 28cm): 125g weiche Butter, 70g Marzipan, 120g Zucker, 1 Prise Salz, 2 Eier Größe L oder 3 Eier Größe M, 200g Mehl, 2 gestrichene TL Backpulver, abgeriebene Schale einer halben Bio-Zitrone, 2 EL Amaretto

Belag: 1kg Pflaumen (Zwetschgen!!!!!), Zimt

Streusel: 150g Mehl, 60g brauner Zucker, 30g Marzipan, 100g kalte Butter, Zimt

Für den Teig das Marzipan fein raspeln und mit der Butter und dem Zucker weiß schaumig schlagen, bis sich der Zucker gelöst hat. Währenddessen die Pflaumen putzen, und nach Größe halbieren oder vierteln. Die Eier nacheinander zur Buttermasse geben. Mehl mit Backpulver, der abgeriebenen Zitronenschale und einer Prise Salz mischen, dann alles abwechselnd mit dem Amaretto unter den restlichen Teig rühren. Die (recht klebrig, feuchte) Masse in die mit Backpapier ausgelegte Springform geben, die Pflaumen darauf verteilen und leicht andrücken. 1/4 TL Zimt auf dem Obst verteilen.

Für die Streusel die Butter in kleine Stückchen schneiden, Marzipan fein zerzupfen, einen halben gestrichenen TL Zimt, Mehl und Zucker zugeben und alles zwischen den Fingerspitzen mischen und sanft kneten bis Streusel entstehen.

Die Streusel auf den Früchten verteilen und den Kuchen 50-60 Min bei 180°C (Ober- und Unterhitze) backen.

Möge der goldene Streusel euch erleuchten!

Ich bin neugierig, was sind eure Geheimrezepte???

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Dieser Beitrag wurde am 6. Oktober 2014 um 17:29 veröffentlicht. Er wurde unter Essen, Hochmut, Kuchen, Wollust abgelegt und ist mit , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

2 Gedanken zu „Bescheidenheit und Margarine

  1. Sibylle sagte am :

    Oh, das klingt toll! Lecker! Neues Geheimrezept (nicht so geheim, weil aus dem Internet): Ein Apfelstreuselkuchen, bei dem insgesamt 400g BUTTER aufs Blech kommen! :) Der Herbst ist doch echt die beste Zeit für leckere Obstkuchen… mit Zimt… hmmm….

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