Iss was, Doc!

Ich spiele gerne mit dem Feuer. Öl gieße ich auch öfter hinein.

Ich mag es scharf. Auf Messers Schneide fange ich erst richtig an zu kochen. Eiskalt und abgebrüht – abschrecken tut mich so schnell nichts.

Mein Lieblingsspielplatz ist ein äußerst gefährliches Terrain.

Das sieht der medizinische Chef de Partie meines Vertrauens ganz ähnlich. Bei meinem letzten Besuch dort, hielt der gute Herr Doktor meinen Arm deutlich länger fest, als es für die Begutachtung eines Leberflecks nötig gewesen wäre, und schaute mich mit bebenden Nasenflügeln und vorwurfsvoll hochgezogenen Brauen schräg von unten aus seinen hornumrandeten Glasbausteinen an.

Nun ja, religiös lassen sich meine Wundmale wohl kaum erklären, auch mit langen Leidensgeschichten kann ich keine Tränendrüse wässern. Die harte Realität heißt genetisch bedingte Schusseligkeit, gepaart mit Risikofreude und purer Blödheit, sowie meinem der Trägheit geschuldeten Unwillen eine Ritterrüstung in der Küche zu tragen.

Ich versuchte dem besorgten Weißkittel also ganz rational zu erklären, dass es weniger Borderline-, sondern vielmehr Genuss – Nebenwirkungen seien, die er dort in meine Haut gebrannt und geritzt sähe. Gleich drei der fünf beieinanderliegenden Narben stammen schließlich eindeutig von Martinsgänsen, eine von einem dummen Kalb, und die letzte von einem bockigen Lamm.

Unter exquisit einreduzierter Anwendung meines mundwässernden großen Küchenlatinums, konnte ich Doktor Hornbrille gerade noch davon abhalten, mich in ein weißes Jäckchen einzuvakumieren, und erzählte ihm stattdessen begeistert von meinem nächsten Herdprojekt – übrigens leider ohne Prämie.

Daraufhin ging er schnurstracks zu seinem Kühlschrank, erschien allerdings nicht mit einem selbst befüllten Tuppadöschen, sondern mit einer deutlich weniger delikat aussehenden Spritze in der Hand, und sagte: „so wie DAS klingt, sollten wir da sicherheitshalber eine Schutzimpfung vornehmen…“

CLAFOUTIS 

Eine Clafoutis [klafuti:] ist allerdings alles andere als ansteckend, und trotz ihres gewöhnungsbedürftigen (französchen) Namens, ein herrliches und vor allem sehr einfaches Gericht – ein Zwittergericht, irgendwas zwischen Kuchen und Auflauf.

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Für eine Auflaufform von ∅ 18 – 20 cm:

3 Eier von glücklichen Hühnern, 300g Früchte (ich habe Johannis- und ein paar Erdbeeren genommen, es geht aber fast alles von Brombeere bis Mango – mischen possible), 100g Zucker, 150ml Milch, 2 gehäufte El gemahlene Mandeln, eine halbe Vanillestange, 100g Schmand oder Sahnejoghurt (mind 10% Fett)

Backofen auf 180°C vorheizen (Umluft 160°C  geht auch – die Clafoutis geht dabei etwas mehr auf).

Auflaufform buttern, die Beeren mit 40g Zucker mischen. Eier, die restlichen 60g Zucker, ausgekratzte Vanilleschote, Milch, Schmand/Joghurt und gemahlene Mandeln mit einem Mixstab pürieren, und mit den Beeren in die Auflaufform geben. 55 -60 Minuten backen, kurz abkühlen lassen, mit reichlich Puderzucker bestäuben und genießen. Schmeckt auch am nächsten Tag noch kalt.

 

 Bon Appétit!

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Dieser Beitrag wurde am 29. Juli 2014 um 09:13 veröffentlicht. Er wurde unter Essen, Trägheit abgelegt und ist mit , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

10 Gedanken zu „Iss was, Doc!

  1. christine marzen sagte am :

    das stimmt – die Bilder sind wirklich sensationell!!! Das Perlhuhn aus München;-))

  2. Herba sagte am :

    … Aloe Vera in der Küche bereithalten (oder auf der Wohnzimmerfensterbank?): Auf frische Brandwunden das Gel aus den dicken Blätter direkt auftragen – Verbrennungen klingen extrem schnell ab und die Haut heilt schneller als mit anderen Mitteln. Altes Rezept von Oma und schon vielfach erprobt ;)

    • Das ist eine super Idee!! Zwischen Topfkräutern, Rechnungen und Radio sollte auch auf der Küchenfensterbank noch ein Plätzchen für die Verbrennungsnotfallversorgung zu finden sein. Danke für das gute „Rezept“ :)

  3. Bille sagte am :

    Hmmmm, hmmmm, hmmmmmmmm :) Ich war heute morgen sehr in Versuchung, das zum Sonntags-Frühstück zu machen, aber dann waren wir zu hungrig und es musste schneller gehen. Es wurde dann French Toast, also ebenfalls mit Eiern, Milch, Vanillezucker, Puderzucker drauf, und auch mit Erdbeeren und Johannisbeeren! :) Aber die Klafuttis gibt’s nächstes Mal… vielleicht… wenn ich früh genug aufstehe.

  4. Anonymous sagte am :

    Wieder ein sehr amüsanter und gelungener Text, doch etwas mehr Umsicht beim Hantieren in der Küche kann nicht schaden und ist – so die gute Botschaft – antrainierbar. Die Franzosen lieben den Clafoutis übrigens mit Schwarzkirschen, aus dem Limousin, woher das Rezept stammt (wenn ich mich richtig erinnere). Ich bevorzuge ebenfalls rote Johannisbeeren, schätze die Säure als Kontrast zum Teig, zudem etwas Schlagsahne obendrauf.

  5. fanblog sagte am :

    Ein wirklich gelungener Artikel! Und die Fotos sind fantastisch. Ich bin begeistert.

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