FRESSSTRESS

Meine lieben Mitfresserlein, ich lasse euch ja wirklich nur äußerst ungern so lange alleine, gelobe prompte Besserung, aber was soll ich euch sagen – mir waren die Hände gebunden – vielmehr zwanghaft um Besteck geklammert!

Es gab so viel zum feiern, fröhlich sein und freuen – Frühlingsbeginn, Ostern, der einjährige Blog, mehrjährige Menschen, das Leben an sich -, da blieb neben beruflichem, privat fast ausschließlich nur extensives gustieren. Positiver Fressstress, die Hände beschäftigt mit zerteilen, löffeln, schneiden, anstoßen, Mund abwischen und gekonnt vor selbigen halten, um den Sättigkeitsrülpser gesellschaftstauglich zu dämpfen.

Für sportliche Fingerübungen am Laptop, ist nach solch ausgiebigem Geschlemme weder mein Körper noch mein Geist in der Lage…

Aperitiv, Amuse geule, knusprig frisches Brot, drei saisonale Dips.

Aufgekräutertes, geliert Gemüsiges, dazu frischer Weißwein. Delikat.

Suppe. Schaumig, cremig, süffig. Wie der Wein. Und noch ein bisschen von diesem fantastischen Brot bitte, ja?!

Fisch, dazu Geschäumtes und Geknuspertes. Fruchtiger Weißwein. Herrlich! Serotoninhirnüberschwemmung – ich bin freundlich beschwipst. Bitte noch eine Flasche Wasser. Weinauchgernjadankesehr.

Artifiziell tourniertes an Miniaturpochiertem. Ein Kunstwerk für Augen und Gaumen. Und dieses Brot!! Langsam aber sicher setzt die Fressschwerkraft ein, und breitet sich unaufhaltsam in alle Richtungen aus – meine Hose kneift. Ich entschuldige mich kurz auf das marmorne Örtchen mit den Wasser speienden goldenenVögeln, rülpse gerade eben noch in Minimalstlautstärke, und öffne mit einem erleichterten Seufzer den obersten Knopf meiner Hose.

Anhand meiner hinterlassenen Brotkrümelspur auf dem Boden, finde ich meinen Weg zwar wieder unbeschadet zurück zum Tisch, kann allerdings kurzzeitig beängstigende Gedanken an die Lebkuchenhexe, die meinen gemästeten Wanst jetzt sicher gerne in den Ofen schieben würde, nicht komplett ausblenden.

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Weiter geht die Tour de Fress.

Zart zerfallende Fleischeslust, dazu Sautiertes in konzertrierter Jus. Das kann ich auf der Karte zwar noch lesen, beim Aussprechen macht der samtige Rotwein mir allerdings einen bauchig vanilligen Strich durch die Sprech – Muskulatur. Ich schwebe… mittlerweile allerdings eher nach unten. Langsam, aber sicher drückt sich mein mit Aas gefülltes Lebendgewicht unaufhaltsam in die plüschige Peripherie der pastellfarbenen Sitzbespannung.

Nimmt bitte ENDLICH jemand dieses köstliche Brot vom Tisch???!!!

Der Vornachtisch des Hauses – en miniature. Geflämmtes, Geeistes – mein irrationaler, zum Glück lautloser, Schrei nach MEHR!!!!!! Ich bin im Paradies, ach was, im Schlaraffenland, das ist doch noch viel besser. Da kommen schließlich nicht nur die braven Langweiler hin, sondern die wollüstig der Völlerei frönenden Genießer.

Geht noch mehr? Oh ja, es geht immer noch mehr.

Der eigentliche Nachtisch. Nach Tisch. Warum ist das Essen im Liegen  – spätestens gegen Ende eines Menus – eigentlich nicht schon längst Standard?? Ein Königreich für eine Diva, ähm, einen Diwan. Ich koste. Staune. Schlemme. Selbst mit einem auf Medizinball – Größe ausgedehnten Magen, kann ich noch immer hemmungslos genießen. Noch ein letzter kleiner Löffel, dann ist auch diese Himmelsspeise restlos vertilgt. Hätte das aufmerksame Personal nicht vor dem letzten Gang den Brotkorb außer Reichweite bugsiert – ich bin nicht sicher, ob ich nicht meinen passionsfruchtigen Teller mit einem Scheibchen aus selbigem blitzeblank gewischt hätte.

Kaffee. Auch das eine meiner bevorzugten Drogen. Dazu Schokoliertes de la maison. Zumindest muss ich probieren, ich kann doch jetzt nicht einfach aufhören. Den Rest der Schokoladenschönheiten origamisiere ich gekonnt in meine Serviette. Die Zeiten, in denen ich pfundweise Pralinen direkt vom Teller in meine Tasche gekippt habe, sind lange vorbei, nachdem ich selbige auf der eingeschalteten Heizung vergessen hatte.

Kaum bewegungsfähig, mehr kugelnd als gehend und überglücklich grinsend, trete ich den Heimweg an. Mein Magen schleift dabei knapp über dem Asphalt, während mein Genuss – und Alkoholbeseelter Geist mindestens 2000 Meter über dem Boden schwebt.

Mit letzter Kraft schleppe ich mich die Treppen zu meiner Wohnung hoch, kicke noch im Flur die Schuhe von den Füßen, lasse die Jacke achtlos auf den Boden fallen, und schaffe es so gerade noch aus dem teurem Seidenen in ausgeleiertes Jerseygrau zu schlüpfen, bevor ich auf der Couch in bewegungsloses Fresskoma falle.

Mein Magen zieht sich protestierend zusammen, als mein Blick dabei auf die kunstvoll geknüllte Serviette fällt, die aus meiner Tasche lugt … Nein, irgendwann habe selbst ich genug. Die Pralinen hebe ich mir lieber für später auf, zur Belohnung. Für den Zeitpunkt nämlich, an dem ich Faultier endlich diesen Artikel beendet haben werde.

Auf die Plätze, fertig, mjam!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Dieser Beitrag wurde am 4. Mai 2014 um 18:44 veröffentlicht. Er wurde unter Essen, Essen bei Freunden, Völlerei abgelegt und ist mit , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

5 Gedanken zu „FRESSSTRESS

  1. christine marzen sagte am :

    Ich habs, ich habs, ich habs!!! Aber diesmal kann ich gar nichts nachkochen;-((
    Für gutes Brot habe ich den SZ-Artikel geschickt. Gibt’s im Mai Sauerbraten?? Die Soße kann man auch mit Brot…

    Dein Perlhuhn aus München

  2. Sibylle sagte am :

    Hmmmm, das klingt nach einem fantastischen Festmahl! Wow. Müssen wir jetzt ein neues teures Seidenes kaufen gehen, in das du dann noch reinpasst?! ;)

  3. Hans Nelles sagte am :

    KOESTLICH !

    Hans

    Sent from my iPad

    >

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